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2018 Quidditch

Neue Sportart: Die „Binger Beasts“ spielen Quidditch für Muggel

Von Jochen Werner - AZ Bingen vom 09.Feb 2018

BINGEN - Ganz so biestig sind sie wirklich nicht. Und gefährlich schon gar nicht. Rund 20 Freunde ab 16 Jahren plus einige Kinder treffen sich zweimal die Woche, um als „Binger Beasts“ eine neue Sportart auch am Rhein-Nahe-Eck zu etablieren. Quidditch ist angesagt, wie aus Harry Potter, nur als Muggel-Version. Was als Hochschulsport an der TH begann, ist seit Mitte Dezember 2017 eine Abteilung der Büdesheimer DJK. Lukas Dahl und Nick Stein haben hier das Training übernommen, wollen die Beasts zu ersten Erfolgen führen.

Begonnen hat alles vor etwa zwei Jahren. Beim Sportfest der damaligen FH wurden Lukas Dahl und Florian Hof von Teilnehmern aus Darmstadt angesprochen, ob sie nicht auch ein Team gründen wollten. Zunächst finanzierten sie sich mithilfe des Hochschulsports selbst, irgendwann mussten die Binger dann aber einen Verein suchen, um Mitstreiter außerhalb der Hochschule zu gewinnen, abgesichert zu sein und das Spiel vor Ort auf ein neues Level zu bringen. Trainieren kann jeder, in Spielen gibt es allerdings eine Altergrenze: Jeder muss hier den 16. Geburtstag gefeiert haben, für Jüngere gibt es eine spezielle Version. „On Fire“ sind sie immer. Ob es draußen regnet, schneit, oder ob die Sonne scheint. „Wir frieren nie!“ heißt ihre Devise. Und sie sind sicher, dass sie für Training und Spiel eines der schönsten Pitches in ganz Deutschland haben: den Park am Mäuseturm. Zu Turnieren fahren, das gehört dazu. Bei den Deutschen Meisterschaften, an denen im vergangenen Juni in Jena insgesamt 21 Teams teilnahmen, waren sie dabei, belegten am Ende Rang 19. „Wir wollten nicht Letzter werden“, blickt Dahl auf den ersten großen Auftritt des Binger Teams zurück.

 

Auch wenn es um den Erfolg geht, steht etwas Anderes im Vordergrund. „Das Tolle ist die Gemeinschaft, die Community der Quidditch-Spieler. Das sind alles echt tolle Leute, die jeden aufnehmen“, schwärmt der Trainer und lobt die Vielfalt in der neuen Sportart. Das Zusammenspiel von Jungs und Mädels funktioniere hervorragend, die unterschiedlichen Vorteile würden sich wunderbar verbinden lassen. „Der Sport ist fesselnd, verbindet unterschiedliche Stärken, fordert mit verschiedenen Positionen“, so Dahl. Schnelligkeit, Übersicht, Geschicklichkeit, Werfen, Fangen und Zusammenspiel sind im Quidditch gefragt.

Was ist Quidditch überhaupt? Lukas Dahl erklärt es so: „Eine Mischung aus Handball, Rugby und amerikanischem Völkerball, eine Vollkontaktsportart, die ein kompletter Mix ist und komplett im Mixed gespielt wird.“ Auf dem Feld dürfen von anfangs sechs, später mit den „Suchern“ sieben Spielern maximal vier dasselbe Geschlecht haben. Gespielt wird mit bis zu fünf Bällen gleichzeitig, einem „Quaffle“ als Spielball, drei „Klatschern“, die den Spielfluss des Gegners stören sollen, und dem „Schnatz“, der nach 17 Minuten im Hosenbund eines neutralen Akteurs aufs Feld gebracht wird und von den Suchern „gesnatcht“ werden muss. Gelingt das, ist das Spiel beendet. Alle Spieler müssen einen „Besen“, eine Plastikstange von 81 bis 106 Zentimetern Länge zwischen die Oberschenkel klemmen, dürfen diese beim Laufen aber auch mit der Hand festhalten.

Aktuell spielen sich die Beasts für die Rhein-Main-Liga ein, an der außerdem noch die Broom Breakers (Besenbrecher) aus Feuerbach/Unterfranken, die Darmstadt Athenas und die Frankfurt Mainticores sowie eventuell noch ein Team aus Trier teilnehmen. Für den 23. Juli ist dabei der Spieltag in Bingen terminiert. Vor der wahrscheinlich Anfang des Sommers stattfindenden Deutschen Meisterschaft 2018 ist ein Trainingslager in einer Jugendgherberge geplant.

Integration von jungen Leuten wichtiger Teil

Mit der Aufnahme der neuen Sportart will die DJK, ähnlich wie in der Karnevalsabteilung, ihre Vielfalt leben, auch hinsichtlich der Geselligkeit und des Umgangs miteinander. „Das ist für beide Seiten ein Gewinn“, ist Vereinschef Matthias Krolla überzeugt. Das Bereitstellen von Absicherung für den Ligabetrieb, die Mitgliedschaft in den Verbänden und die Infrastruktur stünden auf der einen, die Integration von Studenten und jungen Leuten sowie eine tolle sportliche Alternative auf der anderen Seite.